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Das Bild zeigt eine Aussicht auf eine hügelige Landschaft bei schönem Wetter im Sommer. Im Hintergrund sieht bewaldete Hügel, im Vordergrund Viehweiden und Grünland. Am linken Bildrand sieht man ein kleines Dorf am Waldrand.
Blick in das Natura 2000-Gebiet Bischofsreuter Waldhufen (Rundwanderung Marchhäuser-Böhmisch Röhren). Bildnachweis: Wolfgang Lorenz

Bischofsreuter Waldhufen

 

Regierungsbezirk: Niederbayern
Gebietsbezeichnung: FFH-Gebiet 7148-301 Bischofsreuter Waldhufen
Gebietsgröße: 950 ha
Besonderheit: Historische Kulturlandschaft, Natura 2000-Gemeinde (Haidmühle), Orchideenwiesen, Hochmoore, Mosaik verschiedener Lebensräume

Kurzbeschreibung
Bischofsreuter Waldhufen

Das Gebiet der Bischofsreuter Waldhufen ist eine einzigartige Mittelgebirgs-Hochlagen-Kulturlandschaft, ein buntes Mosaik verschiedenster Lebensräume auf kleinstem Raum. Die „Naturfreunde Internationale“ hatten die Bischofsreuter Waldhufen dem entsprechend zur Landschaft des Jahres 1999/2000 gekürt. Hier wechseln sich bunte Bergwiesen ab mit seltenen Borstgrasrasen, Hochstaudenfluren und Bergwäldern, unterbrochen von Lesesteinriegeln, Hecken und „Ranken“ (Terrassen). Mulden werden von kleinen mäandrierenden Bächen durchzogenen, auf den ausgedehnten Moorkomplexen blühen Orchideen, Sonnentau und Wollgras. Und auf der Bischofsreuter Gemeindeweide wächst eine Wacholderheide – die letzte ihrer Art im Bayerischen Wald.

Diese beeindruckende Natur- und Kultur-Landschaft entstand durch die extensive Nutzung der wenigen dort ansässigen Menschen, die versuchten trotz der harschen Bedingungen auf der Höhe (800 bis 1.000m über dem Meeresspiegel) ein Auskommen zu finden. Die Bischofsreuter Waldhufen gehören zu den jüngsten Siedlungsgebieten Bayerns und waren lange recht isoliert – die erste Straße wurde erst in den 1960er Jahren gebaut.„Waldhufe“ bezeichnet übrigens die von den Siedlerfamilien urban gemachten Grundstücke im Wald. Von der Siedlungsgeschichte zeugen auch heute noch die sogenannten „Raumreuten“, kleine Rodungsinseln in den weiten Bergwäldern, auf denen man heute einen außergewöhnlich artenreichen Komplex aus Mooren, Borstgrasrasen und Bergwiesen findet.

Besonderheiten Bischofsreuter Waldhufen

Eine Besonderheit des Gebiets ist die Natura 2000-Gemeinde Haidmühle, die für ihren besonderen Einsatz für das europäische Naturerbe ausgezeichnet worden ist. Was es mit dieser Auszeichnung auf sich hat, das erschließt sich dem Besucher sofort: Hier wimmelt es nur so von „Natur“. In Haidmühle kann man erleben wie vielfältig, bunt, naturnah und artenreich eine Kulturlandschaft aussehen kann. Diese zum Teil noch „historisch“ anmutende Kulturlandschaft entstand früher zum einen durch die Höhenlage, zum anderen durch die politische Randlage im Grenzgebiet zu Tschechien. Heute ist die einladende Naturvielfalt vor allem dem Engagement der örtlichen Landwirte zu verdanken, denn sie bewirtschaften die Hälfte der Flächen besonders naturgemäß, mittels Förderung durch staatliche Programme. Dass Naturschutz dabei nicht die kommunale Entwicklung verhindert, sondern im Gegenteil den Gemeinden in strukturschwachen Lagen und ihren landwirtschaftlichen Familienbetrieben große Entwicklungschancen bietet, das zeigt die Natura 2000-Gemeinde Haidmühle ganz klar: Denn heute tragen die Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt entscheidend zum Einkommen der landwirtschaftlichen Betriebe bei und haben sich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Gemeinde entwickelt. Und: Wo andernorts die Landwirtschaft nicht mehr lohnt, ist der Viehbestand in Haidmühle in den letzten Jahren sogar gewachsen – bei gleichzeitiger Zunahme der wertvollen Biotope für Tiere und Pflanzen. Insgesamt leben auf dem Gemeindegebiet über 230 gefährdete Tier- und Pflanzenarten, beispielsweise Birkhuhn, Wachtelkönig, Kreuzotter, Violetter Feuerfalter, Braunkehlchen, Steinschmätzer, und Arnika. Hier wurde sogar die Waldbirkenmaus gesichtet, die schon als ausgestorben gegolten hatte.

Das Bild zeigt eine Luftaufnahme der Gemeinde Haidmühle mit dem Dorf Haidmühle im Zentrum. Unmittelbar um das Dorf befinden sich grüne Weiden, Grünland und ein See. An die offenen Bereiche schließen sich weitläufige Fichtenwälder an.
Die Gemeinde Haidmühle. Bildnachweis: Klaus Leihdorf

Natura 2000 hautnah erleben – Ausflugsziele Bischofsreuter Waldhufen

Auf dem Foto ist eine Moorfläche mit einzelnen Fichten und Birken sowie einer kleinen Wasserfläche in der vorderen linken Bildecke zu sehen. Am Horizont erstrecken sich mit Fichten bewaldete Hügel.
Verwunschenes Abrahamsfilz bei Haidmühle. Bildnachweis: Wolfgang Lorenz

Lohnende Ausflugsziele im Gebiet
(Naturerlebnis, Umweltbildung, aktives Naturerlebnis)

• Erkunden der Landschaft rund um die Natura 200-Germeinde Haidmühle – auf über 30km Wanderwegen, markierten Schneeschuhwanderwegen, 65,5km Landlaufloipen, bei einer Pferdetour, oder auf dem Rad (auch E-Bikes vor Ort lad- und ausleihbar)

• Wanderung zum Ursprung der Kalten Moldau, einem der beiden Quellflüsse der Moldau (ca. 4 km von Haidmühle entfernt)

• Streifzugs durch Flur und Wald zum verlassenen Dorf Leopoldsreut, von dem nur noch die Kapelle zeugt

• Den Ausblick genießen auf den scheinbar unendlichen Wald vom Hochstein aus (1.300 m)

• Eintauchen in verschiedene Themen auf den fünf Naturerlebnis- und Themensteigen des Kulturlandschaftsmuseums in Haidmühle mit Aktionsinstallationen und Informationstafeln. Hier kann man sowohl die einmalige traditionelle Kulturlandschaft der „Bischofsreuter Waldhufen“, als auch die Grenzbedingungen, unter denen die Menschen hier früher lebten und wirtschafteten erleben.

Wanderwege und Karten

Weiterführende Links

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