Naturschutz zum Anbeißen: Unser Apfelstrudel-Rezept

Naturschutz zum Anbeißen: Unser Apfelstrudel-Rezept

von 11 August, 2020 0
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Schmeckt gut, riecht gut, sieht schön aus – Obstwiesen sprechen alle Sinne an. Aber nicht nur Menschen schätzen ihre Schönheit und ihren Nutzen; sie sind auch ein wertvoller Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten, darunter auch Natura 2000-Arten.

Streuobstanbau ist eine extensive Form der Landnutzung: Großwüchsige Obstbäume, zum Beispiel Apfel-, Birn- oder Kirschbäume, stehen verstreut über eine Wiese, Weide oder in einem Garten. Bis zu 5.000 Arten, die teilweise bedroht und geschützt sind, finden hier Nahrung und Unterschlupf. Insekten wie Wildbienen oder der Eremit freuen sich über die reiche Blütentracht und gute Verstecke. Steinkauz, Wiedehopf, Specht und andere Vögel finden hier Nistplätze und ein vielfältiges Nahrungsangebot. Auch Säugetiere wie der Siebenschläfer fühlen sich in alten Obstbäumen wohl. Auf extensiven Mähwiesen unter den Bäumen gedeihen zudem viele seltene Pflanzenarten.

Aber was macht man denn mit so viel Obst aus dem eigenen Garten oder von der Obstwiese? – Aufessen, einlagern, verkaufen, verschenken… oder Apfelstrudel! Mit dem nachfolgenden Rezept, das Sie gerne ausprobieren und auch weitergeben dürfen, kann auch Fallobst köstlich veredelt werden.

Mein Name ist Franziska Albrecht, ich bin eine der beiden Projektmanagerinnen von LIFE living Natura 2000 und bekennender Apfelstrudel-Fan. Zu meinen frühesten Erinnerungen gehört der Duft von warmen Äpfeln und das Geräusch des Strudelteigs, den meine Mutter in der Küche abschlägt. Kommen Sie mit in die Küche, wir backen jetzt gemeinsam Strudel!

Eine Frau schneidet Obst
Naturschutz kann so lecker sein: Aus Streuobst lassen sich köstliche Dinge zaubern... zum Beispiel Apfelstrudel! (Bild: Matt Benson / Unsplash).

Zutaten

  • 1 Ei
  • 1/8 l lauwarmes Wasser
  • 250 g fein gemahlenes Mehl
  • 1 Prise Salz
  • 20 g zerlassene Butter oder ca. 1 El Sonnenblumen- oder Rapsöl
  • 1 ½ – 2 kg säuerliche Äpfel
  • 1 Becher (250 ml) Sauerrahm (oder Topfen)
  • 4 EL Zucker
  • Optional: Rosinen und/oder Nüsse
  • Ca. 40 g zerlassene Butter oder ca. 2 El Sonnenblumen- oder Rapsöl zum Bestreichen
  • ¼ l Milch (statt Kuhmilch geht auch Soja- oder Hafermilch)

„Der Strudelteig muss so dünn sein, dass man dadurch die Zeitung lesen kann.“ Sagt jedenfalls meine Mama. Und die muss es wissen, denn sie bäckt den besten Apfelstrudel der Welt.  Für Anfänger ist eine solche Ansage aber eine echte Herausforderung. Je dünner der Teig, desto schwieriger wird es nämlich, ihn weiter zu verarbeiten. Wird er zu dünn, dann gucken irgendwann die Apfelschnitze raus. Und dann muss der Strudel ja auch noch heil von der Arbeitsfläche auf das Backblech befördert werden, was ohnehin eine riskante Aktion ist…

Ganz ehrlich? Durch meinen Strudelteig hat noch nie jemand die Zeitung gelesen… Schmecken tut er trotzdem. Wer wenig Zeit oder Angst vor dem Strudelteig hat, kann ihn übrigens auch fertig kaufen. Selber machen macht aber mehr Spaß:

Das Mehl in eine große Schüssel sieben. Gut geeignet ist fein gemahlenes Weizenmehl, es geht auch mit anderen Mehlsorten, allerdings wird der Teig dann möglicherweise nicht so dünn. Salz zugeben und in der Mitte des Mehlhaufens mit einem Esslöffel eine Grube machen; 20g zerlassene Butter (oder 1 El Öl), Ei und lauwarmes Wasser darin verrühren. Schnell mit den (sauberen) Händen zu einem weichen Teig verarbeiten.

Jetzt kommt der Teil der Strudelzubereitung, den man aus Rücksicht auf die Nachbarn besser tagsüber durchführen sollte: das Abschlagen. Prima zum Abbau von Aggressionen oder Corona-bedingtem Frust geeignet. Der Teig wird so lange mit der Hand auf der Arbeitsfläche oder einem großen Holzbrett abgeschlagen, bis er Zungen wirft. Während man sich noch mit dem Abschlagen beschäftigt, wird in einem großen Topf etwas Wasser erhitzt.

Anschließend wird der – jetzt hoffentlich geschmeidige – Teig halbiert, zu glatten Kugeln geformt und leicht mit Butter oder Öl bestrichen. Die Kugeln auf eine hitzebeständige, nicht haftende Unterlage, z.B. einen großen flachen Teller geben. Dann das heiße Wasser aus dem Topf weggießen und den dampfend heißen Topf über die Teigkugeln stülpen (je nach Topfgröße kann man auch zwei Töpfe verwenden, für jede Teigkugel einen). Jetzt den Teig für etwa eine halbe Stunde an einem warmen Ort ruhen lassen.

Während der Strudelteig ruht, können wir uns der Füllung zuwenden. Am besten eignen sich säuerliche Äpfel, zum Beispiel die früh reifenden Klaräpfel oder Sorten wie Boskop, Gravensteiner, Renetten oder Freiherr von Berlepsch. Es gibt hunderte von Apfelsorten unterschiedlichsten Aussehens, auch wenn im Handel in Deutschland nur etwa zwanzig Sorten angeboten werden (häufig nur die gleichen vier oder fünf). Gerade in Streuobstbeständen mit alten Bäumen lassen sich aber noch echte Raritäten finden, die dann auch einen ganz besonderen Geschmack haben. Der Erhalt von Streuobstbeständen kann auch zum Erhalt alter Obstsorten beitragen.

Die Äpfel dürfen übrigens gerne auch ein paar Macken oder Druckstellen haben, denn sie müssen sowieso geschält und entkernt werden. Apfelstrudel ist also eine prima Methode, um Fallobst oder Äpfel, die nicht für die Lagerung geeignet sind, zu verwerten. Wichtig ist, die Äpfel möglichst fein zu schneiden, je gröber sie sind, desto mehr Ärger machen sie später beim Versuch, den Strudel zusammenzurollen.

Äpfel auf einem Haufen
Niemand ist vollkommen - und das muss auch nicht sein: Für den Apfelstrudel eignet sich auch Fallobst (Bild: Emma van Sant / Unsplash).

Wenn die Äpfel fertig geschnitten sind und die Ruhezeit des Teigs vorbei ist, wird jede der beiden Teigkugeln auf einer trockenen, gleichmäßig mit Mehl bestäubten Arbeitsfläche mit einem Nudelholz tellergroß ausgerollt und dann noch einmal dünn mit Butter oder Öl bestrichen. Und dann wird es knifflig! – „Vorsichtig, erst mit dem Handrücken und dann mit den Fingerspitzen dünn auseinanderziehen“, schreibt meine Mutter… um gleich darauf für die weniger Fingerfertigen unter uns (mich zum Beispiel!) hinzuzufügen „Du kannst den Teig auch nur ausrollen, Hauptsache, er ist möglichst dünn. Keine dicken Ränder lassen!“ – Na ein Glück, da bearbeite ich den Teig dann doch lieber noch ein bisschen mit dem Nudelholz, bis er leidlich dünn ist, aber nicht so aussieht, als würde er zerreißen, wenn man ihn nur schief anschaut.

Anschließend wird der ausgezogene (oder ausgerollte) Strudelteig auf der Arbeitsfläche liegend mit Sauerrahm bestrichen. Es geht auch Topfen oder eine vegane Alternative, das ist Geschmackssache. Auf dieser Rahmschicht werden jetzt die fein geschnittenen Äpfel verteilt (wichtig: am Rand ringsum ein Stück freilassen!) und je Strudel mit 2 El Zucker bestreut. Die Zuckermenge ist variabel; wenn die Äpfel nicht ganz so sauer sind oder man es weniger süß mag, kann man problemlos weniger Zucker verwenden. Es geht sogar ganz ohne.

Jetzt kommt die Gretchenfrage: Mit Rosinen oder ohne? – In meiner Familie werden traditionell zwei Strudel gebacken, einer mit und einer ohne. So ist für alle was dabei.

Wenn der Strudelteig  – egal ob mit Rosinen oder ohne – zur Zufriedenheit belegt ist, werden die Ränder eingeschlagen und der Strudel wird zusammengerollt. Klingt einfacher als es ist, aber das Schwierigste kommt noch – der Strudel muss irgendwie heil von der Arbeitsfläche auf ein mit Butter oder Öl bepinseltes Backblech kommen. Hier empfiehlt es sich, ein Familienmitglied oder eine Freundin zur Hilfe zu holen – einer hält das Blech und die andere hebt den Strudel an.

Ist der Umzug (so mehr oder weniger) bei beiden Strudeln geglückt, werden diese nochmal mit Butter oder Öl bepinselt und dann geht es für eine halbe bis Dreiviertelstunde bei 180 Grad in den Backofen. Die Backzeit ist abhängig vom Ofen und davon, wie hell oder goldbraun man seinen Strudel am Ende möchte.

Viele Kuchen kann man getrost unbeaufsichtigt im Ofen lassen, wenn erstmal die richtige Temperatur und Backzeit eingestellt sind. Bei unserem Strudel geht das nicht, der muss in regelmäßigen Abständen begutachtet und mit heißer Milch begossen oder bepinselt werden. Wann? „Wenn er so aussieht als würde er trocken werden“, sagt Mama. Vorsicht, bitte nicht gleich einen halben Liter Milch drübergießen. Ich persönlich greife ehrlich gesagt lieber zum Pinsel. – Statt Kuhmilch geht übrigens genauso gut Hafer- oder Sojamilch. Am besten die Milch gleich nachdem der Strudel im Ofen ist in einem kleinen Topf erhitzen.

Apfelstrudel schmeckt warm oder kalt, mit oder ohne Sahne. Am Vanilleeis oder der Vanillesoße scheiden sich die Geister. Statt der Rosinen (oder zusätzlich) kann man ihn auch mit Nüssen, zum Beispiel Walnüssen, verfeinern.

Beitragsbild:  Andy Chilton / Unsplash

Lust auf mehr?

Nachdem wir Ihnen den Mund mit diesem leckeren Apfelstrudel-Rezept wässrig gemacht haben und Sie es vielleicht auch selbst ausprobiert haben, möchten Sie  mehr über den Lebensraum Obstwiese in Bayern erfahren? Das finden wir super! Schauen Sie doch mal bei unserer Mitmachaktion und auf den Seiten unserer Partner vorbei. Dort finden Sie viele Informationen und Veranstaltungen rund um das Thema Streuobst und erfahren, was Sie für den Erhalt von Obstwiesen tun können – egal ob als Erzeuger, Gartenbesitzerin oder Verbraucher.

Apfelsäcke und Korb auf einer Wiese
Auf Streuobstwiesen bieten auch alte Obstsorten reiche Ernte (Bild: Alexander Vorbeck).

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