Festveranstaltung zu 40 Jahren Vogelschutzrichtlinie

Festveranstaltung zu 40 Jahren Vogelschutzrichtlinie

von 14 August, 2019 0
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Mit mehr als hundert Teilnehmern aus Naturschutz, Landwirtschaft und Kommunen wurde bei einer Fachtagung in Mertingen das Jubliäum 40 Jahre Vogelschutzrichtlinie begangen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass mit den Projekten im östlichen Donauried viel erreicht wurde, dass aber noch viel getan werden muss, um den massiven Bestandsrückgang an artenreichen Wiesen und wiesenbrütenden Vogelarten wie dem Brachvogel zu stoppen. Eine Voraussetzung dafür ist, dass Naturschutz und Landwirtschaft gut zusammenarbeiten.

Exkursion in Mertingen. Bildnachweis: Lisa Mitterbuchner

Regierungspräsident Dr Erwin Lohner betont die gute Zusammenarbeit der Naturschutzbehörden, Verbände und Landwirte im Wiesenbrüterschutzgebiet (Foto: Lisa Mitterbuchner ANL)

Zum Schutz der wildlebenden Vogelarten und ihrer Lebensräume und als Fundament für den europäischen Naturschutz trat im April 1979 die Europäische Vogelschutzrichtlinie in Kraft.
Im Jubiläumsjahr bietet die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) mit verschiedenen Kooperationspartnern eine Veranstaltungsreihe im Rahmen des Kommunikationsprojektes „LIFE living Natura 2000“ an. Die Veranstaltungen setzen jeweils unterschiedliche Schwerpunkte: Wald, Wasser und Offenland werden als Lebensräume für die Vogelwelt beleuchtet. Am 11. Juli stand in Mertingen das Offenland als Lebensraum für Wiesenbrüter im Fokus. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Regierung von Schwaben und dem BUND Naturschutz in Bayern e.V. statt.

Die Wiesenbrüterlebensraume im schwäbischen Donauried sind als EU-Vogelschutzgebiet gemeldet und zählen zu den wertvollsten Großlandschaften in Bayern, u. a. wegen der geringen Zerschneidung durch Siedlung und Verkehr. Ursprünglich geprägt war das Gebiet durch eine großflächige, blütenreiche Wiesenlandschaft mit Feucht- und Streuwiesen. Daher zählt es zu den bayernweit bedeutsamen Kernlebensräumen für wiesenbrütende Vogelarten und ist eines der „Top 10-Gebiete“ für den Großen Brachvogel in Bayern.
Bei einer Exkursion am Nachmittag in das Vogelschutzgebiet Wiesenbrüterlebensraum Schwäbisches Donauried“ zeigte sich Schwabens Regierungspräsident Dr. Erwin Lohner erfreut über das große Interesse an der Veranstaltung. Die Bewirtschaftung des Vogelschutzgebietes erfolgt maßgeblich durch den BUND Naturschutz e.V. und den Landkreis Donau-Ries in enger Zusammenarbeit mit den ortansässigen Landwirten, die die kleinparzellierten Flurstücke in dem Gebiet pflegen bzw. die mit ihren Tieren die Beweidung des Wiesenbrütergebietes mit den Naturschutzakteuren abstimmen. So gelingt es wichtige Lebensräume für seltene Vogelarten wie Nachtigall, Dorngrasmücke, Kiebitz durch die Beweidungsmaßnahmen zu erhalten und wiederherzustellen und gleichzeitig hochwertiges Fleisch auf den Flächen des Vogelschutzgebietes zu erzeugen. Durch den umfangreichen Flächenankauf des BUND Naturschutz Kreisgruppe Donau-Ries e. V., mit dem Großprojekt „Mertinger Höll – Lauterbacher Ruten“ gelang es einen zusammenhängenden Lebensraum für den Großen Brachvogel und Kiebitz im Rahmen des laufenden Flurneuordnungsverfahrens bereitzustellen. Das Großprojekt stellt das größte bayerische Ankaufsprojekt des BN dar; dabei wurden rund 150 Hektar mit finanzieller Unterstützung des Bayerischen Naturschutzfonds angekauft. Auch die Gemeinde Buttenwiesen, welche einen umfangreichen Flächenpool für den Naturschutz bereitstellt, und die Gemeinde Mertingen unterstützen aktiv die Maßnahmen für den Schutz des Wiesenbrütergebietes im Donauried. Einen wesentlichen Beitrag leisten auch die Landwirte, die mit dem Naturschutz auf vielfältige Weise, sei es in der Landschaftspflege, bei der extensiven Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden, eng zusammen arbeiten. Für ihr Engagement wurden der Bund Naturschutz Kreisgruppe Donau-Ries, die Landwirte und die Gemeinde Buttenwiesen und Mertingen im Rahmen der Veranstaltung mit der Verleihung der Urkunde einer „Natura2000-Partnerschaft“ gewürdigt.

Verleihung der Urkunde einer „Natura2000-Partnerschaft“. Bildnachweis: Lisa Mitterbuchner

Die Eröffnung der Abendveranstaltung in der alten Brauerei Mertingen übernahm der Landrat des Landkreises Donau-Ries, Stefan Rößle.
Der 1. Bürgermeister von Mertingen, Albert Lohner, präsentierte seine Gemeinde und hieß die Gäste in der Alten Brauerei Mertingen willkommen.
Richard Mergner, 1. Vorsitzender BUND Naturschutz in Bayern e.V., sprach Grußworte. Der BUND Naturschutz engagiert sich seit Jahrzehnten als Hauptakteur für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Landwirten und dem Landkreis Donau-Ries, um das Wiesenbrütergebiet Schwäbisches Donauried mit dem Naturschutzgebiet Mertinger Höll zu erhalten.

Karlheinz Götz, Kreisobmann Bauernverband Donau-Ries, sprach als Vertreter der Landwirte ebenfalls ein Grußwort und betonte die kooperative Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Naturschutz im Landkreis Donau-Ries.
„40 Jahre und kein bisschen weiter?“ lautete der Beitrag von Günter von Lossow, Staatliche Vogelschutzwarte am Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU). Bayerns Wiesenbrüterpopulationen befinden sich im Rückgang. Um den Rückgang aufzuhalten und die Arten in Bayern vor dem Aussterben zu bewahren, ist neben der Kooperation mit den Landwirten die Sicherung der wichtigsten bayerischen Wiesenbrütergebiete mit überlebensfähigen Populationen dringend notwendig. Von Lossow hob dabei die Ausbildung von Wiesenbrüterberatern, die in den Landkreisen die Ansprechpartner vor allem für die Landbewirtschafter darstellen, als einen wichtigen Faktor für einen langfristigen Erfolg hervor. Daneben sind auch die Gebietsbetreuer für die langfristige Sicherung der Lebensräume unentbehrlich.
Dr. Einhard Bezzel, ehemaliger Leiter der Vogelschutzwarte Garmisch-Partenkirchen, stellte in seinem Festbeitrag die Ursachen für den Rückgang von Wiesenbrütern und Biodiversität heraus, der großteils durch Monokulturen, Pestizideinsatz, Stickstoffeintrag und fehlende Brachen zu erklären ist . Dazu kommt der gesellschaftliche Druck auf die Lebensräume und der Flächenverbrauch. Letztendlich zählt, was die Gesellschaft bereit ist, für den Verlust ihrer Artenvielfalt zu investieren. Dr. Bezzel zeigte aber auch erfreuliche Entwicklungen auf, wie die des Wanderfalken mit stabilen Populationen in Bayern. Zudem gab er in seinem Vortrag wichtige Impulse, was gesellschaftlich nötig ist, um gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu fördern, wie ein Umdenken bei der zu intensiv stattfindenden Gartenpflege, das Aufhalten des Verlusts von altem Baumbestand in Städten oder die Eindämmung des Übertourismus.

Den Abschluss der Veranstaltung übernahm der Mundartdichter Alois Sailer, der Geschichten aus dem Wiesenbrütergebiet Donauried erzählte, die er bereits lange vor der Ausweisung als Schutzgebiet in der Mertinger Höll erlebt hat.

 

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