Europa aus der Vogelperspektive

Europa aus der Vogelperspektive

von 14 Mai, 2019 0
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Auftakt zur Feier von 40 Jahren Vogelschutz-Richtlinie in Nürnberg

Wenn Vögel fliegen, sind nationale Grenzen belanglos: Vor ziemlich genau 40 Jahren, am 2. April 1979, trat die europäische Vogelschutz-Richtlinie in Kraft. Sie gilt als Vorreiter für das europäische Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 und exzellentes Beispiel für die internationale Zusammenarbeit beim Naturschutz.

Auftaktveranstaltung in Nürnberg zur Feier 40 Jahre Vogelschutz-Richtlinie (Bild: Lisa Mitterbuchner/ANL)

Aus Anlass des 40-jährigen Bestehens der Europäischen Vogelschutzrichtlinie veranstaltet das von der EU geförderte Projekt LIFE living Natura 2000 der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) mit verschiedenen Kooperationspartnern drei Festveranstaltungen. Die Veranstaltungen setzen jeweils verschiedene Schwerpunkte: Wald, Wasser und das Offenland stehen als Lebensräume für die Vogelwelt im Mittelpunkt.

Auszeichnung Gemeinde Ergersheim als Natura 2000-Gemeinde (Bild: Lisa Mitterbuchner/ANL)

Was haben Schwarzspecht, Nachtreiher und Großer Brachvogel gemeinsam? Sie alle profitieren von der europäischen Vogelschutz-Richtlinie. Seit die Schutzverordnung vor 40 Jahren in Kraft trat, hat sich viel getan, um den Lebensraum und Erhaltungszustand der Arten in Deutschland und Europa nachhaltig zu verbessern. Ein besonderer Grund zu feiern, wie der Festakt im Eppeleinsaal auf der Nürnberger Burg mit zahlreichen Gästen aus Politik, Land- und Forstwirtschaft und von Interessenverbänden zeigte. 

Die Auftaktveranstaltung in Nürnberg stellte den Lebensraum Wald in den Fokus. Kooperationspartner der ANL waren das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und die Bayerischen Staatsforsten.

Festrede von Alexander Just von der Generaldirektion Umwelt, Europäischen Kommission (Bild: Lisa Mitterbuchner/ANL)

Die europäische Idee und die Umsetzung in Bayern beleuchteten an diesem Morgen viele Vorträge und Diskussionsbeiträge. Alexander Just von der Generaldirektion Umwelt bei der Europäischen Kommission in Brüssel zeigte auf, dass die Vogelschutzrichtlinie einen universellen Artenschutz in Europa eingeführt hat und hierbei eine der wichtigsten Richtlinien der EU ist. Fernab von politischen Diskussionen, Brexit und Währungsfragen wurde deutlich: Naturschutz funktioniert nicht im Alleingang. Weder für den Einzelnen, noch für ein Land. Besonders die Zugvögel halten sich nicht an Ländergrenzen oder gesetzliche Bestimmungen. Und das ist gut so, denn es erfordert Kooperation.

Diskussionsrunde mit Dr. Norbert Schäffer (Vorsitzender des Landesbund für Vogelschutz in Bayern), Reinhard Neft (Vorstand der Bayerischen Staatsforsten), Gisela Oswald (StMUV) und Bürgermeister Springmann (Gemeinde Ergersheim) von l. nach r. (Bild: Lisa Mitterbuchner/ANL)

Reinhard Neft, Vorstand der Bayerischen Staatsforsten, stellte erfolgreiche Highlights der Schutzbemühungen heraus, wie etwa die Rückkehr des Schwarzstorchs in Franken und das Engagement der Staatsforsten beim Vogelschutz im Wald. Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbund für Vogelschutz in Bayern, zeigte die gemeinsamen Anstrengungen in Bayern zur Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie auf.

Ministerialdirektor Dr. Rüdiger Detsch aus dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz stellte heraus, dass der Erhalt der biologischen Vielfalt eine Daueraufgabe darstellt. Zudem betonte er, dass eine Trendwende im Artenrückgang in der Fläche nötig ist. Doch, und auch das wurde beim Festakt nicht verschwiegen, es braucht noch mehr länder- und generationenübergreifende Maßnahmen.

Ein gutes Beispiel, wie Naturschutz über Generationen gelingen kann, bietet die Gemeinde Ergersheim im Nordwesten Bayerns, die im Rahmen des Festakts als Natura 2000-Gemeinde ausgezeichnet wurde. Seit über 300 Jahren macht die kleine Gemeinde mit etwa 1.000 Einwohnern nicht nur im Vogelschutz so einiges richtig: Die Gemeinde und eine sogenannte Rechtlergemeinschaft berufen sich auf eine eigene Waldordnung und betreiben seit 1747 die historische Mittelwaldbewirtschaftung. 320 Hektar Wald werden über je 30 Jahre im Umlauf zur Entnahme von Brennholz bewirtschaftet, Grundwasser bleibt im Waldboden und Grundstücke am Waldrand werden mit Rücksicht bearbeitet. Die Botschaft von Bürgermeister Springmann: Ein sorgsamer und nachhaltiger Umgang mit der Natur ist keine Frage der neuesten Technologien oder von Verzicht auf Ressourcen. Naturschutz kann und soll auch die Bedürfnisse des Menschen ernst nehmen.

Eine Exkursion in den nahe gelegenen Nürnberger Reichswald machte Vogelschutzmaßnahmen dann direkt erlebbar: Dieser wurde 1368 als ältester Forst der Welt angelegt und ist heute mit einer Gesamtfläche 381 Quadratkilometer Bayerns größtes Vogelschutzgebiet vor Spessart und Bayerischem Wald. Wir lernen: Exzellenz im Vogelschutz ist nur einen Flügelschlag von uns entfernt.

Exkursion im Nürnberger Reichswald Bild: Lisa Mitterbuchner/ANL)

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