Mündungsdelta der Tiroler Achen im Süden des Chiemsees
Das Mündungsdelta der Tiroler Achen im Süden des Chiemsees. Es ist das einzige sich noch natürlich entwickelnde Binnendelta Mitteleuropas (Bild: Andreas Hartl).

Hotspot: Chiemsee

Im Südosten Oberbayerns, am Fuße der Chiemgauer Alpen liegt der Chiemsee. Entstanden durch die letzte Eiszeit ist er heute mit knapp 80 km² der drittgrößte See Deutschlands. Nicht ohne Grund wird er daher auch „Bayerisches Meer“ genannt. Im Süden findet sich mit dem Mündungsdelta der Tiroler Achen das einzige, sich natürlich entwickelnde Binnendelta Mitteleuropas.

Mit dem reich strukturierten Auwald entlang des Mündungsdeltas, den ufernahen Streuwiesen und Kalkflachmooren, die dank der traditionellen Nutzung ortsansässiger Landwirte dauerhaft in ihrer Form erhalten bleiben, sowie den Röhricht- und Flachwasserzonen ist der Chiemsee Lebensraum unzähliger, teils seltener und bedrohter Tier- und Pflanzenarten.

Im Gegensatz zu anderen bayerischen Seen ist der Chiemsee in weiten Teilen des Ufers unverbaut, so dass man heute auf dem rund 60 Kilometer langen Rundweg um den See noch auf weiten Strecken „Natur pur” erradeln oder erwandern kann, mit vielfältigen Einblicken in die Landschaft, über den See und auf die Alpen.

Jährlich trägt die Tiroler Achen rund 300.000 m³ Geschiebe und Schwebstoffe ein, so dass die Verlandung des Sees um einen Hektar pro Jahr voranschreitet. Nach jetzigem Kenntnisstand wird der Chiemsee in gut 7.000 bis 8.000 Jahren vollständig verlandet sein.

Eisvogel
Der Eisvogel ist ein seltener, aber regelmäßig auftretender Brut- sowie verbreiteter Jahresvogel. Er kann immer wieder von den Beobachtungsstationen beim Fischen gesichtet werden (Bild: Johann Zimmerman).

Informationen zum Natura 2000-Gebiet

Regierungsbezirk
Oberbayern
Gebietsbezeichnung
Chiemsee (FFH-Gebiet 8140-372) bzw. Chiemseegebiet mit Alz (SPA 8140-471)
Gebietsgröße
8.131 ha (FFH-Gebiet) bzw. 10.310 (SPA/Vogelschutzgebiet)
Besonderheit
Größter See Bayerns – auch „Bayerisches Meer“ genannt, Hotspot der Artenvielfalt mit einer Vielzahl seltener und teils hochbedrohter Arten, Drehkreuz des Vogelzuges, Achendelta als das einzige sich noch natürlich entwickelnde Binnendelta Mitteleuropas, die Inseln Frauenchiemsee mit Benediktinerinnenkloster und Herrenchiemsee mit Schloss und Jahrhunderte altem, urigem Waldbestand

Besonderheiten des Gebiets

Einzigartig am Chiemsee ist die artenreiche Fledermausfauna. Allein 15 der 23 regelmäßig in Bayern auftretenden Fledermausarten leben auf der Herreninsel. In den ufernahen Kalkflachmooren und Streuwiesen kommen zahlreiche Orchideen, darunter Seltenheiten wie das Sumpf-Knabenkraut oder die Sommerdrehwurz vor. Die seltene Mairenke findet am Ausfluß der Alz geeignete Laichgründe, und nicht zuletzt bietet der See mit seinem Umland weit über 100 Brutvogelarten wertvollen Lebensraum. Zudem ist er ein bedeutendes Drehkreuz des Vogelzuges für viele Rast- und Überwinterungsgäste – allein im Winter bevölkern über 20.000 Wasservögel den Chiemsee.

Lohnende Ausflugsziele im Gebiet (Naturerlebnis, Umweltbildung, aktives Naturerlebnis)

Hirschauer Bucht
Abendstimmung in der Hirschauer Bucht (Bild: Hannes Krauss).
die beiden Inseln Frauenchiemsee und Herrenchiemsee– jede auf ihre Art
die Herreninsel mit Schloss und Fledermausausstellung sowie auch die weitläufige Insel an sich
die verschiedenen Beobachtungsstationen rund um den See mit einem reichhaltigen Angebot an begleiteten, kostenlosen Vogelbeobachtungen
Naturerlebnis mit den Chiemsee-Naturführern
zahlreiche Rundwanderwege in den einzelnen Regionen um den Chiemsee

Wanderwege und Karten

Weiterführende Links