Im Südosten Oberbayerns, am Fuße der Chiemgauer Alpen liegt der Chiemsee. Entstanden durch die letzte Eiszeit ist er heute mit knapp 80 km² der drittgrößte See Deutschlands. Nicht ohne Grund wird er daher auch „Bayerisches Meer“ genannt. Im Süden findet sich mit dem Mündungsdelta der Tiroler Achen das einzige, sich natürlich entwickelnde Binnendelta Mitteleuropas.
Mit dem reich strukturierten Auwald entlang des Mündungsdeltas, den ufernahen Streuwiesen und Kalkflachmooren, die dank der traditionellen Nutzung ortsansässiger Landwirte dauerhaft in ihrer Form erhalten bleiben, sowie den Röhricht- und Flachwasserzonen ist der Chiemsee Lebensraum unzähliger, teils seltener und bedrohter Tier- und Pflanzenarten.
Im Gegensatz zu anderen bayerischen Seen ist der Chiemsee in weiten Teilen des Ufers unverbaut, so dass man heute auf dem rund 60 Kilometer langen Rundweg um den See noch auf weiten Strecken „Natur pur” erradeln oder erwandern kann, mit vielfältigen Einblicken in die Landschaft, über den See und auf die Alpen.
Jährlich trägt die Tiroler Achen rund 300.000 m³ Geschiebe und Schwebstoffe ein, so dass die Verlandung des Sees um einen Hektar pro Jahr voranschreitet. Nach jetzigem Kenntnisstand wird der Chiemsee in gut 7.000 bis 8.000 Jahren vollständig verlandet sein.
Einzigartig am Chiemsee ist die artenreiche Fledermausfauna. Allein 15 der 23 regelmäßig in Bayern auftretenden Fledermausarten leben auf der Herreninsel. In den ufernahen Kalkflachmooren und Streuwiesen kommen zahlreiche Orchideen, darunter Seltenheiten wie das Sumpf-Knabenkraut oder die Sommerdrehwurz vor. Die seltene Mairenke findet am Ausfluß der Alz geeignete Laichgründe, und nicht zuletzt bietet der See mit seinem Umland weit über 100 Brutvogelarten wertvollen Lebensraum. Zudem ist er ein bedeutendes Drehkreuz des Vogelzuges für viele Rast- und Überwinterungsgäste – allein im Winter bevölkern über 20.000 Wasservögel den Chiemsee.