Der Bayerische Wald ist der älteste Nationalpark Deutschlands und bildet zusammen mit dem angrenzenden Nationalparke Šumava (Böhmerwald) in Tschechien das größte zusammenhängende Waldschutzgebiet Mitteleuropas. Der Nationalpark erstreckt sich entlang des Hauptkamms des Bayerischen Waldes vom Großen Falkenstein (1305 m) im Nordwesten über den Großen Rachel (1453 m) bis zum Lusen (1373 m) im Südosten. Neben den vielen Gemeinden am Rand des Nationalparks finden sich auch viele Enklaven, d.h. Siedlungen im Park. Das Gebiet ist historisch geformt von der Forstwirtschaft und insbesondere der sogenannten Holztrift, d.h. dem Abtransport der Baumstämme über Wasserwege. Auch heute noch ist der Wald von dieser Nutzung geprägt, aber unter dem Motto „Natur Natur sein lassen“ entwickelt sich mit der Zeit wieder eine einmalige Naturlandschaft . Im Nationalpark wechseln sich scheinbar endlose fichtenreiche Hochlagenwälder ab mit Bergmischwäldern aus Tannen, Buchen und Fichten, steilen Schluchtwäldern und den Aufichtenwäldern der Täler. Aufgrund der Mischung aus naturnahen Wäldern, baumfreier Gipfel mit grandioser Aussicht, murmelnden Bächen, mächtigen Felsformationen, verwunschen wirkenden Mooren, gepaart mit vielen Kilometern Wanderwegen und einer guten Infrastruktur, zählt die Region heute zu den beliebtesten Wanderregionen Mitteleuropas und wird insbesondere von Familien mit Kindern sehr geschätzt.
In den so genannten Urwaldgebieten können Besucher erleben, wie ein Wald aussieht der nie bewirtschaftet wurde. Auf verwunschenen Pfaden ist so ein Stück „Wildnis“ in Deutschland erlebbar. Ein weiteres besonderes Kleinod im Nationalpark sind die sogenannten “Schachten”, offene lichte Flächen im Wald, die durch Beweidung entstanden sind. Diese “Perlen im Waldmeer” zählen heute zu den Hot-Spots der Artenvielfalt im Nationalpark, mit einer einmaligen Vegetation. Darüber hinaus gibt es auch viele ökologisch interessante landschaftlich sehr sehenswerte Moore, sogenannte „Hochmoore“ (d.h. Moore deren Feuchtigkeit nur über Regenwasser erhalten wird), teils mit idyllischen Moorseen (z.B. der Latschensee). Das größte Moorgebiet des Bayerischen Waldes liegt im Naturschutzgebiet „Großer Filz und Klosterfilz“ bei Riedlhütte. Hier kann man typische Pflanzen der Hochmoore wie den fleischfressenden Sonnentau oder die den Torf produzierenden Torfmoose bestaunen. Eine weitere Schönheit und Rarität ist der in Deutschland sehr seltene Böhmische Enzian. Den Nationalpark durchzieht nicht nur ein gut 760 km langes Netz aus meist kühlen und sauerstoffreichen Bächen, als weitere Besonderheit finden sich die sogenannten Klausen – künstliche, ehemals zum talwärtigen Abtransport von Holz angelegte Bergseen. Highlights des Bayerischen Walds im Bereich der Tierwelt sind seltene und überaus scheue Tiere wie der Luchs und die Wildkatze. Mit etwas Glück kann man aber andere Tiere wie Biber, Fischotter, Auerhuhn, Haselhuhn, Habichtskauz, Wanderfalke, Rothirsche oder verschiedene Fledermausarten bewundern.